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| Foto: coloriert | Privat-Archiv | Quelle: unbekannt |
Der Bomben-Krieg und der Front-Einsatz fordern immer mehr Tote und
Schwer-Verletzte.
Die
Krankenhäuser und Lazarette sind deshalb überfüllt – und man sucht ab 1943
dringend Betten, um die vielen Verletzten zu versorgen.
Hier
sieht man ein überfülltes Not-Krankenhaus sogar in einer Turnhalle …
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Foto: coloriert | Privat-Archiv | Quelle: unbekannt
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Dr. Karl Brandt - Begleitarzt
Adolf Hitlers |
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| Foto: Privat-Archiv | Quelle LWL-Klinik-Museum Warstein |
Mit
dieser Aussage Hitlers macht der dafür zuständige Begleitarzt Hitlers, Dr. Karl Brandt,
einen Plan:
Nach
seinen Maßgaben müssen nun die Heil-Anstalten rasch Betten zur Pflege und
Betreuung kriegsverletzter Menschen zur Verfügung stellen, in dem sie ganze
Abteilungen umwandeln vom Anstalts- in ein Krankenhaus- und Lazarett-Betrieb.
Aber
dafür müssen natürlich seelisch gestörte „geisteskranke“ Anstalts-Insassen
ihren angestammten Platz räumen - und verlegt werden …
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| Foto: coloriert | Privat-Archiv | Quelle: unbekannt |
Diese
„Sonder-Aktion Brandt“, wie sie später bezeichnet wird, macht auch nicht vor
den Toren der Anstalt Gütersloh halt …
Es
werden deshalb die Patienten benannt, die bei einer Umwandlung in eine
Krankenhaus- und Lazarett-Abteilung überzählig sind - und die Anstalt deshalb
verlassen müssen: Erna Kronshage ist mit 99 Mit-Patienten dabei.
Deportation - Verlegung
Am
12.11.1943 fährt vom Bahnhof Gütersloh um 18 Uhr ein Sonderzug in verschiedene
Zielbahnhöfe.
Über
Hannover und Berlin geht es für Erna ins von der Deutschen Wehrmacht besetzte
Polen – in die 630 km entfernte Heil-Anstalt „Tiegenhof“ – nahe der Stadt Gnesen.
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| Foto: coloriert | Privat-Archiv | Quelle: unbekannt |
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| Quelle: nebenstehend |
Heilanstalt Tiegenhof bei Gnesen – im
besetzten Polen
Name
vor und nach der Deutschen Besatzung: Dziekanka/Gniezno
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| Fotos: Privat-Archiv - Quellen: unbekannt |
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Dr. Victor Ratka - Foto: coloriert |
Privat-Archiv - Quelle: Ernst Klee: "Euthnsie
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Die
Anstalt Tiegenhof bei Gnesen hat sich unter dem Direktor Dr.
Victor Ratka seit 1939 zu einer Tötungs-Anstalt entwickelt.
Von Ende 1939 bis Anfang 1945 sind in „Tiegenhof/Dziekanka“ mindestens 3.600 Menschen gezielt
getötet worden – nach neueren Forschungen wahrscheinlich sogar über 5.000.
Von
Ende 1939 bis 1941 wurden zunächst über 1.000 polnische Insassen in Dziekanka ermordet – z.T. mit dem Gas-Wagen,
bei dem die Auspuff-Gase auf die Lade-Fläche eines Anhängers umgeleitet wurde,
auf der die „Fahrgäste“ saßen.
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| Foto: coloriert | Privat-Archiv | Quelle: unbekannt |
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| Foto-Montage: coloriert | Privat-Archiv | Quelle: unbekannt |
Die Patienten, die aus dem „Reichs-Gebiet“ ab Ende 1941 bis Anfang 1945 in Tiegenhof ankommen, werden nach dem sogenannten „Luminal-Schema“ getötet – ein Tötungs-“Rezept“, was extra dafür von dem Arzt Dr. Hermann Paul Nitsche erdacht worden ist.
Dieses Tötungs-Rezept probierte er an 60 Patienten geradezu „wissenschaftlich“ aus, um es dann nach und nach zu verfeinern.
Das „Luminal-Schema“ besteht aus fettlosen Speisen mit beigemischten in Wasser aufgelösten Schlaf-Mitteln (z.B. Luminal) - in nur leicht erhöhten Einzel-Mengen.
Der Tod tritt so erst nach Wochen oder Monaten ein.
Dieser Tod ist dann letztlich die schleichende Vergiftung bei einem durch eine solche Hunger-Kost geschwächten Körper. Und so entstehen dann Infektionen wie Lungen-Entzündung oder Bronchitis, die eine „natürliche“ Todes-Ursache aber nur vortäuschen – oder eben eine „Vollkommene Erschöpfung des Körpers“ wie es auf dem Totenschein von Erna Kronshage zu lesen ist.
Das alles geschieht ohne äußere Gewaltanwendungsspuren – kaum nachweisbar – und wird so zum fast „perfekten“ Massen-Mord – ohne Einzeltäter …
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| Film-Still "Rosa" by Yaniv Schwartz |
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"Euthanasie"-Tod
Erna
Kronshage wird am 19. oder 20.02.1944 in Tiegenhof/Gnesen getötet.
Ein handschriftlich geführtes "Sterbebuch" nennt den 19.02. als Tag der Tötung - während die amtliche Sterbeurkunde den 20.02., "um 9 Uhr 30 Minuten" als Sterbezeitpunkt benennt.
Vom Tag der Anreise aus Gütersloh
bis zu ihrer Ermordung dauert es fast genau 100 Tage …
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| Foto|Montage: Privat|Archiv - Quelle: unbekannt |
Auf
Antrag der Eltern wird der Leichnam Erna Kronshages nach Senne II
rücküberführt.
Dazu
wird der Sarg in einem Pack-Waggon der Reichs-Bahn 600 km – genau bis auf die
Rangier-Gleise des Bahnhofs „Kracks“ gefahren – also ganz in die Nähe des
Bauern-Hofes der Familie Kronshage, in dem Erna 21 Jahre zuvor
geboren wurde.
Die
Familie öffnet heimlich den Sarg und vergewissert sich oberflächlich und
laienhaft, dass keine Spuren von Gewalt-Anwendung an der Leiche sichtbar sind.
Am
5.Marz 1944 wird Erna Kronshage auf dem Alten Friedhof in Senne II
– heute Sennestadt – in der Familien-Grabstätte beerdigt.
Die
Grabstätte ist inzwischen aufgelöst und in eine Grünfläche verwandelt worden.
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| Foto|Montage: Privat|Archiv |